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Rüdiger Wendt Paar- und Familientherapeut aus Rees-Mehr (Niederrhein)

„Meinen Erfolg messe ich nicht mehr in Zahlen“

Seit 2005 arbeite ich als systemischer Familientherapeut, Ehe- und Paarberater in eigener Praxis im niederrheinischen Städtchen Rees. Meinen Weg zur therapeutischen Arbeit habe ich über Umwege gefunden. Für meine Entwicklung war dieser Umweg notwendig und richtig. Nach einer ersten Ausbildung habe ich lange Jahre als Diplom-Betriebswirt im Vertrieb und in der Unternehmensberatung gearbeitet. Davon fast 7 Jahre als selbstständiger Unternehmensberater.
Schwerpunkt meiner Arbeit als Unternehmensberater war neben fachspezifischen Themen wie Marketing und Vertrieb meine intensive Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern verschiedener Unternehmen als Trainer und Coach. Ich habe firmeninterne Seminare und Workshops angeboten, z.B. Verhaltenstrainings, Umgang mit Kunden, Reklamationsbehandlung, Konfliktmanagement für Führungskräfte, psychologische Menschenführung. Ich habe Mitarbeiter geschult, trainiert und gecoacht. 
Während dieser Jahre gab es für meine Leistung leider nur ein Erfolgskriterium: Gewinn. Das reichte mir nicht mehr. Inzwischen war ich Mitte 40, verheiratet mit einer Heilpraktikerin und dadurch dem ganzheitlichen Denken gegenüber aufgeschlossen. Die einseitige Ausrichtung nur auf den Gewinn machte mich unzufrieden.
Durch sehr persönliche Gespräche, die ich als Coach mit den Mitarbeitern führen durfte, erkannte ich typische Verhaltensmuster, die sich im Berufsleben zeigen, aber aus einem ganz anderen Zusammenhang stammen. Sie sind Ergebnis der Konditionierung in der Familie, der so genannten Ursprungsfamilie. Die Schnittstelle zwischen Coach und Therapeut schien mir fließend zu sein. Manche Mitarbeiter hätte ich intensiver betreuen müssen, als ich es von meiner betriebswirtschaftlichen Ausbildung her überhaupt konnte.

„Ich suchte nach neuen Lebens- und Arbeitsperspektiven“

Ein beruflicher Veränderungsprozess, der sich durch den Wechsel äußerer Rahmenbedingungen einstellte, verbunden mit den in mir immer stärker aufsteigenden Zweifeln, ob ich beruflich das Richtige tue, lies mich nach neuen Lebens- und Arbeitsperspektiven Ausschau halten. Der Gedanke, meine Leistung auch in Zukunft ausschließlich anhand von Zahlen messen zu lassen, war mir nicht genehm. Mir fehlte die „menschliche Komponente“.
Als Coach hatte ich vielfach die Erfahrung gemacht, dass in der Familie das Fundament für ein glückliches, zufriedenes Leben gelegt wird. Dort finden aber auch Prägungen statt, die ein Leben, auch das Berufsleben, massiv behindern können. Deshalb wollte ich Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleiten und beraten.
Mit einem einjährigen Intensiv-Studium als Paar- und Familientherapeut (in dieser Zeit war ich nicht berufstätig) und der umfangreichen Diplomarbeit habe ich mich auf meine neue Tätigkeit vorbereitet. Der persönliche Dialog mit den Studentenbetreuern des IBW hat mich zusätzlich motiviert.
Heute arbeite ich als Familientherapeut – mit der ganzen Familie in meiner Praxis oder direkt in der Familie. Meine Klienten stammen aus allen Berufsgruppen. Zu mir kommen sowohl Unternehmer als auch Angestellte, Arbeiter und Arbeitnehmer. Das macht meine Arbeit vielseitig, spannend und jeden Tag aufs Neue interessant.

„Meine Therapiestunden verstehe ich als Hilfe zur Selbsthilfe“

In schwierigen familiären Situationen Ressourcen und Potenziale heraus zu arbeiten, Ansätze zur Lösung der Konfliktlage zu erarbeiten, macht mir großen Spaß. Ich beobachte mit Freude, wie meine Klienten an ihren eigenen Veränderungsprozessen mitarbeiten. Diese Prozesse zu initiieren, gibt mir eine enorme Zufriedenheit. Ich bin immer wieder erstaunt darüber, wie sehr sich die familiäre Situation ändert, wenn alle bereit sind, gemeinsam etwas zu tun. Meine Arbeit in den Familien verstehe ich als Hilfe zur Selbsthilfe.Auch die Arbeit mit Paaren ist sehr reizvoll, weil sie die Beziehung aus der Perspektive beider Partner beleuchtet. Meine Aufgabe als Therapeut ist es, beiden zuzuhören und die Muster aufzuspüren, die zu den Konflikten führen. Dabei muss ich die Menschen in ihrer Ganzheit wahrnehmen, mit ihren logisch-rationalen und emotionalen Aspekten, die nicht immer kongruent sind, um Transparenz in das Beziehungs-Chaos zu bringen.
Wenn das Paar nach einigen Sitzungen in der Lage ist, wieder stressfrei miteinander umzugehen, hat sich meine Arbeit gelohnt.
Ergänzend führe ich auch Kommunikationstrainings für Paare durch.
In der regionalen Presse konnte ich mehrfach über meine Arbeit berichten. Auf die Frage, was mir an meiner Arbeit am besten gefällt, habe ich nur eine Antwort: Erfolg ist für mich keine Frage mehr von Zahlen, sondern viel, viel mehr. Nämlich meine eigene Freude und die meiner Klienten über gelöste Konflikte und funktionierende menschliche Beziehungen.

Rüdiger Wendt